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Europa baut das zweitgrößte und modernste Batterie-Ökosystem der Welt

Baden-Baden – 07.12.2020 –

Lithium-Ionen-Batteriezellen kommen fast ausnahmslos aus Asien – ein großer Nachteil für die europäischen Hersteller in der E-Mobilität. Diese Gleichung hat sich als Stereotyp in das Denken von Autoherstellern und Zulieferern eingebrannt. Doch schon bald gilt sie nicht mehr. In Europa entstehen bis 2030 Fertigungskapazitäten für Batteriezellen im Umfang von 500 Gigawattstunden. Das ist um die Hälfte mehr als die 345 Gigawattstunden die China, derzeit weltgrößter Produzent, im Jahr 2020 produziert. Europa wird dabei die USA, die mit einer Stagnation der Produktionskapazität rechnen, weit in den Schatten stellen.

Das Rennen schien verloren. Spätestens als Bosch vor mehr als 2 Jahren bekanntgab, nicht in die Batteriezellfertigung zu investieren, glaubten viele auch dieses Rennen sei für Europa verloren. Durch mutige Investitionen in die Batteriezellfertigung von Konzernen und Konsortien wie Volkswagen, BASF und Northvolt, politisch flankiert mit Milliardensubventionen der EU, hat sich nun das Blatt gewendet. Als Wendepunkt kann der Dezember 2019 gelten. Vor einem Jahr hob die EU-Kommission die Europäische Batterie-Allianz aus der Taufe. Ein Milliardendeal: die sieben Mitgliedsstaaten Belgien, Deutschland, Finnland, Frankreich, Italien, Polen und Schweden stellen 3,2 Milliarden Euro zur Verfügung, mit dem Ziel weitere 5 Milliarden Euro private Investitionen zu erzeugen.

Europa ist vom letzten Startplatz in das Batterie-Rennen eingestiegen und wird die USA kalt überholen. Spitzenreiter China ist in Sichtweite, nur mit dem Vorteil eines früheren Starts – der bereits installierten Kapazität. Bis 2030 werden Konsortien in Europa – genau wie in China – eine halbe Terawattstunde (500 Gigawattstunden) an neuer Produktionskapazität errichten. In Europa entsteht das modernste und leistungsfähigste Batterie-Ökosystem der Welt. Im Jahr 2030 wird die weltweite Fertigungskapazität 1,3 Terawattstunden betragen. Damit kann etwa ein Viertel der Weltfahrzeugproduktion batterieelektrisch fahren. Und Europa wird über 1/3 Anteil daran haben.

Den politischen Rahmen für dieses Mammutvorhaben bilden die EU-Beihilfevorschriften und insbesondere die Vereinbarungen zu wichtigen Vorhaben von gemeinsamem europäischem Interesse (IPCEI – important projects of common European interest). Die Projektteilnehmer und ihre Partner werden ihre Arbeit auf vier Bereiche konzentrieren:
(1) Rohstoffe und moderne Werkstoffe: Im Rahmen des Vorhabens sollen nachhaltige innovative Verfahren für die Gewinnung, Anreicherung, Raffination und Reinigung von Erzen entwickelt werden, um hochreine Rohstoffe zu erhalten. Im Hinblick auf moderne Werkstoffe (wie Kathoden, Anoden und Elektrolyte) wird die Verbesserung vorhandener und die Entwicklung neuer Werkstoffe für innovative Batteriezellen angestrebt.
(2) Zellen und Module: Das Vorhaben soll die Entwicklung innovativer Batteriezellen und -module ermöglichen, die die Sicherheits- und Leistungsanforderungen der Automobilindustrie und anderer Anwendungsbereiche (z. B. stationäre Energiespeicher und Elektrowerkzeuge) erfüllen.
(3) Batteriesysteme: Ferner sollen innovative Batteriesysteme einschließlich Batteriemanagementsysteme (Software und Algorithmen) sowie innovative Testmethoden entwickelt werden.
(4) Umnutzung, Recycling und Raffination: Im Rahmen des Vorhabens sollen sichere und innovative Verfahren für die Sammlung, Zerlegung, Umnutzung, Wiederverwertung und Raffination des Recyclingmaterials entwickelt werden.


Quelle: ec.europa.eu

Deutschland wird zum Epizentrum für Batterien in Europa. Mehr als die Hälfte des bisher geplanten Investitionen und Fertigungskapazität entfallen auf Standorte in Deutschland. Die Dreh- und Angelpunkte des neuen Batterie-Ökosystems heißen unter anderem Parsdorf, Kaiserslautern, Tübingen, Arnstadt, Bitterfeld-Wolfen, Salzgitter, Grünheide, Überherrn und Erfurt. Mehr als 280 Gigawattstunden könnten hier einmal entwickelt und produziert werden.

Die Preise sind bereits um Faktor 10 gefallen. Vor 10 Jahren noch kostete eine kWh Li-Ionen Batterie etwa 1.000 Euro, heute werden die 100 Euro bereits erreicht, und 60 Euro sind mittelfristig angestrebt. Selbst bei diesem Preis bedeutet das allein in Deutschland ein Geschäftsvolumen von 15 Milliarden Euro pro Jahr nur für Batterien, und ein Investitionsvolumen von etwa 20 Milliarden Euro, wenn man für 2030 etwa 50% reine E-Fahrzeuge in der Produktion prognostiziert. Selbst wenn die Brennstoffzelle einen nennenswerten Anteil erringen sollte, ändert sich das große Bild nicht signifikant. Denn sie benötigt auch eine Batterie, nur kleiner. Und die Batterien der Plug-In-Hybride sind in diesen Zahlen noch nicht mitgerechnet, und dass wir 2030 noch rein verbrennungsmotorisch fahren, dürfte niemand mehr ernsthaft glauben.

Die Chancen für die gesamte Wertschöpfungskette sind riesig, auch für den Mittelstand. Bewältigt werden muss die Aufgabe allerdings auch. Hunderte Unternehmen benötigen geschätzt über 10.000 neue F&E Mitarbeiter, sowie mehrere tausend weitere Fachkräfte in Business Development, Vertrieb, Projektmanagement, Einkauf und Logistik. Viele dieser Arbeitsplätze entstehen abseits von Ballungszentren in der Fläche – in Brandenburg, Thüringen, im Saarland, in Niedersachen. In einem solchen Szenario ist die „time-to-market“, die Geschwindigkeit des Marktaufbaus für Zulieferer und Dienstleister eine entscheidende Kennzahl für Erfolg. Sie benötigen nicht nur kurzfristig und flexibel einsetzbare Mitarbeiter, die den Markt bearbeiten und Projekte stemmen, sondern sie müssen gleichzeitig einen Know-how-Transfer in hoher Geschwindigkeit leisten und Teams geradezu „aus dem Boden stampfen“. Das ist eine klassische Domäne des Interim Managements.

Interim Manager können im Aufbau dieses Batterie-Ökosystems wertvolle Beiträge leisten:

  • Die kommende Wertschöpfungskette für Unternehmen transparent machen
  • die Chancen für Unternehmen erkennen und mit ihrem Netzwerk erschließen
  • die nötigen Kompetenzen für neue Themen und Technologien einbringen
  • nachhaltige Wertsteigerung durch Weiterentwicklung der Unternehmen erzielen, beispielsweise durch Initiativen in Richtung neuer, ergänzender Geschäftsmodelle
  • komplementäre Unternehmen zusammenbringen, die sich in ihren Alleinstellungsmerkmalen sinnvoll ergänzen, das heißt ein zukünftiges Business Ecosystem mit aufbauen

Das Thema der Business Ecosystems behandelt auch mein Buch „Unternehmer Deines Business Ecosystems“, das am 12.11.2020 erschienen ist. Es ist als Hardcover, Paperback und als E-Book verfügbar.
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Uwe Klaus Hotz
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